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Wenn die Konkurrenz plötzlich aus einer andern Branche kommt

Digitalisierung | 4 Minute(n) zum Lesen

In der Schweiz gehören die sogenannten KMU (Klein- und Mittel-Unternehmen) schon immer zu den innovativsten Firmen. Nun stellen globale Studien fest, dass Startups und innovative Zellen von grossen Konzernen, mit ihren Potenzialen, die Entwicklung der Wirtschaft schnell und unkonventionell verändern.

So stellt die aktuellen Studie des IBM Institute for Business Value (IBV) fest, dass der Trend der „Uberisierung“, mit dem das Aufweichen von Branchengrenzen durch neue Wettbewerber umschrieben wird, eine der Hauptsorgen in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten ist.

Der Anteil an Führungskräften, die erwarten, sich immer stärker gegen branchenfremde Mitbewerber behaupten zu müssen, ist innerhalb der letzten beiden Jahre um mehr als ein Viertel gestiegen – von 43 Prozent im Jahr 2013 auf heute 54 Prozent. Für die Studie „Redefining Boundaries: Insights from the Global C-suite Study“ wurden in über 70 Ländern rund 5.200 CEOs, CMOs, CFOs, und CIOs aus öffentlichen und privaten Unternehmen in 21 Branchen befragt.
Doch während den Verantwortlichen in der Theorie klar ist, dass sie sich neu aufstellen müssen, hapert es vielfach an der praktischen Umsetzung.

Das Reizwort lautet Industriekonvergenz: Laut Studie bewerten immer mehr Geschäftsleitungen die Annäherung von Branchen als den bestimmenden Einflussfaktor auf ihre Kerngeschäfte in den kommenden zwei bis vier Jahren. 
„Der Wettbewerb folgt neuen Regeln. Führungskräfte müssen sich auf neuartige Bedrohungen einstellen – Bedrohungen, die oft unsichtbar bleiben, bis es schliesslich zu spät für Gegenmassnahmen ist“, sagt Bridget van Kralingen, Senior Vice President, IBM Global Business Services. „Doch es gibt Optionen: So sehen viele Leistungsträger im Einsatz von Technologien wie Cognitive Computing und lernenden Systemen einen Schlüssel zur Bewältigung derartiger disruptiver Ereignisse.“

Immerhin wollen fast 25 Prozent der Führungskräfte von den als besonders leistungsstark bewerteten Unternehmen kognitive Technologien einsetzen. Ihre vorausschauenden sowie kognitiven Analyse-Methoden helfen laut Studie dabei, mit grösserer (Un-)Sicherheit zu prognostizieren, was im Wettbewerbsumfeld passieren kann und liefern Erkenntnisse, um versteckte Mitbewerber frühzeitiger zu erkennen.

Neue Risiken managen

Lange galten vor allem Marktteilnehmer als grösstes Risiko für traditionelle Unternehmen, welche sich mit günstigeren Angeboten und herausragenden Dienstleistungen mehr Marktanteile sichern wollten. Das hat sich nun geändert: Heute werden etablierte Firmen immer häufiger von neuen Akteuren mit bisher unbekannten, digitalen Geschäftsmodellen bedroht.
Heute „fressen“ junge, kleine und agile Unternehmen gestandene Player oder fügen ihnen zunehmend nennenswerten Schaden zu. Diese veränderten Rahmenbedingungen haben auch Auswirkungen auf das Management in den Unternehmen. So sehen knapp die Hälfte der Geschäftsleitungen die Notwendigkeit, ihre Entscheidungsfindung zu überdenken, über 50 Prozent machen sich auf die aktive Suche nach Innovationen ausserhalb ihrer Unternehmen und 70 Prozent planen, ihre Partnernetzwerke zügig zu erweitern.

Der Kunde im Fokus

Sehr viele der Befragten gaben an, dass es ihnen schwerfällt, einzuschätzen, was als nächstes kommen wird. Nur die Hälfte der Unternehmen nutzen Kunden-Feedback, wenn es um die Ermittlung und Erforschung neuer Trends und Technologien geht. Und das, obwohl bei der letzten Befragung vor zwei Jahren bereits rund 60 Prozent der CEOs angaben, sich aktiver mit ihren Kunden beschäftigen zu wollen, um entsprechende Erkenntnisse in ihre Geschäftspläne und -strategien zu integrieren. Daraus wurden bis heute jedoch offenbar keine Konsequenzen gezogen: Es besteht immer noch eine Lücke, die dringend geschlossen werden muss.
Zuversichtlich stimmt immerhin die Einschätzung eines überwiegenden Anteils der Verantwortlichen, dass sich in Zukunft der Umgang mit Kunden tatsächlich verändern wird: So erwarten zwei Drittel der Befragten, dass der Kunde stärker als Individuum in den Fokus rücken wird – ein Zuwachs um 22 Prozent seit 2013 – und 81 Prozent plant mehr digitale Interaktion.

Technologien gewinnen weiter an Bedeutung

Geändert hat sich auch die Einschätzung im Hinblick auf die Bedeutung neuer Technologien: Waren es in den letzten drei Studien nur die CEOs, die Technologie als wichtigste externe Kraft mit dem grössten Einfluss auf ihr Geschäft bewerteten, schliessen sich dieses Mal ausnahmslos alle Top-Manager dieser Meinung an. So gehen die Befragten davon aus, dass Cloud Computing, mobile Lösungen, das Internet der Dinge sowie Cognitive Computing das grösste Potenzial haben, ihre Unternehmen zu revolutionieren. Ein weiteres Thema ist die IT-Sicherheit, die vor zwei Jahren noch eine untergeordnete Rolle spielte. Heute gilt sie für 68 Prozent der Befragten als Nummer 1 bei den Unternehmensrisiken.

QUELLE:

Redefining Boundaries: Insights from the Global C-suite Study


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