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Rethink: Keine Veränderungen ohne Nebenwirkungen® - Ist das Leben eine Bühne?

Keynote, COVID-19, Rethink | 7 Minute(n) zum Lesen

"In der ganzen Fragilität und Vergänglichkeit, die uns derzeit vor Augen geführt wird, wächst und wächst die Sehnsucht nach Dingen mit Substanz und Bestand."

In jeder Notsituation offenbaren sich echte Bedürfnisse und daraus ergeben sich Chancen für Geschäftsmodelle. Ob aus der COVID-19-Krise eine neue Innovationswelle entsteht, wird sich schon bald zeigen.

Letztes Weekend habe ich meine Keynote anlässlich der Diplomfeier der Logistikberufe von 2010 gefunden und in einen persönlichen und so glaube ich auch kreativen COVID-19-Lockdown-Blog überarbeitet. Es geht um die alte und beliebte Metapher «das Leben als Bühne zu beschreiben» und Chancen aufzuzeigen.

Doch all diese Veränderungen brauchen Mut zum Leben, das nicht nur immer Zuckerschlecken ist, sondern harte Arbeit an sich selbst erfordert. Es gibt keine Veränderungen ohne Nebenwirkungen, gerade jetzt in einer noch nie erlebten globalen Krise für uns alle.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
Geehrte Diplomandinnen und Diplomanden

Heute möchte ich mit Ihnen philosophieren.

„Fordere kein lautes Anerkennen, könne was und man wird dich kennen!“ weiss Paul Heyse zu berichten. Aber stimmt diese Aussage noch in der heutigen Zeit?

Nehmen wir das Zitat von Mazzini: „Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen!“ Sie haben sich für eine Weiterbildung entschieden und haben es geschafft. Gratulation.

„Wer Grosses versucht ist bewundernswert, auch wenn er fällt,“ sagt Seneca. Gehen Sie in Ihrem Leben auch bewusste Risiken ein. Nur so können Sie Ihr Potenzial wirklich ausreizen.

Sie haben mit der Erlangung Ihrer Diplome ein weiteres Kapitel in Ihrem Leben geschrieben und verdienen dafür Applaus. Auch ich brauche immer wieder Applaus, denn der gehört zu meiner Lebens-Philosophie - frei nach Shakespeare:
«Die ganze Welt ist eine Bühne. Wir alle sind Schauspieler. In unserem Leben spielen wir viele Rollen.»

 

Etwas weiter gedacht …

Das Leben als Bühne zu beschreiben, ist eine alte und beliebte Metapher. Doch wie nah dieses Bild auch an der Realität jedes Menschen ist, wird von vielen Leuten in seinem Kern selten erkannt. Dazu braucht es die Fähigkeit der Reflexion. Deshalb lohnt es sich, Shakespeares Sichtweise genauer zu untersuchen und für sich die persönlichen Schlüsse zu ziehen.

Jedes Leben eines Menschen wird von äusseren und von inneren Faktoren bestimmt. Einerseits gibt es die Erziehung, die persönlichen Verhältnisse, in denen wir leben. Aber auch die Gesellschaft, die Natur, die Technologie und die Wirtschaft. Alles wird geprägt vom Zeitalter, den Zeitmoden, dem geistigen Mainstream aber auch der Ressourcen, Normen und Werten, sowie den Anliegen und Interessen der Stakeholder. Damit sind nur einige wichtige Parameter der äusseren Einflüsse genannt. Eine für uns Schweizer resp. Europäer gänzlich Unbekannte ist dazu gekommen: COVID-19.

Andererseits gibt es die Innenwelt des Individuums, die wiederum ganz andere Faktoren bei gleichen oder ähnlichen äusseren Bedingungen in seine Betrachtungen einbezieht. Hier kommen zum Beispiel die Talente, Stärken und Schwächen, Vorlieben, Neigungen mit ins Spiel. Sie werden von vielen Faktoren beeinflusst, dazu gehören u.a. die aktuelle Energie, die mentale Einstellung, Ängste, Blockaden oder auch Lust und die Freiheit, die man/frau sich nimmt. Und wieder die neue Unbekannte, aber diesmal als innerer Faktor.

Diese beiden Elemente, Aussen- und Innenfaktoren, sind Gestaltungsobjekte, also eine Art Legosteine oder Knetmasse, die wir formen oder kombinieren können, wenn wir denn wollen. Das «Wollen» hängt davon ab, ob wir diese Gestaltungsfreiheit überhaupt als Option wahrnehmen. Es gilt die konkreten Möglichkeiten zu erkennen und auch die Risiken resp. Konsequenzen der Veränderung tragen zu wollen.
Das Leben ist ein nicht fertig formuliertes Drehbuch, das für jeden Menschen ein riesiges Potenzial bereithält. Wie wir es schreiben, liegt an unseren kreativen Fähigkeiten. Je mehr Spielvarianten für Veränderungen wir zulassen, umso grösser ist die Chance aus dem Leben eine Bühne zu machen. Diese Möglichkeit ist allen Menschen gegeben, ob jung oder alt, reich oder arm.

Es gibt eine Gruppe, die daran nicht partizipieren kann: Es ist die Gruppe der Fantasielosen. Wem die Fantasie für eine alternative, andersartige Lebensgestaltung fehlt, ist mangels Ideen in seiner täglichen Routine gefesselt.

Mit unserer Geburt betreten wir die Bühne der Welt – mit dem Tod treten wir wieder ab. Es gibt Menschen, die ihr eigenes Lebensdrehbuch so perfekt schreiben, dass sie selbst über ihren Tod hinaus lebendig und prägend in Erinnerung verbleiben.

Was allerdings zwischen Geburt und Tod alles passiert oder unterlassen wird, dafür sind wir zu einem namhaften Teil persönlich verantwortlich. Wenn wir uns bemühen und das Leben selber in die Hand nehmen, dann sind wir allerdings mehr als nur Darsteller. Hier können wir die Aussagen von Shakespeare weiter fassen. Nämlich um die Tatsachen, dass wir zugleich auch Drehbuchautor sind und auch unser eigenes Publikum stellen können. Zum Beispiel indem wir uns für unsere guten Leistungen auch selbst feiern, ehren und beklatschen oder uns mit selbstkritischen Zu- und Buhrufen von der Lebensbühne jagen, auf dass wir unsere selbstgewählten Rollen besser üben und damit wirkungsvoller ausfüllen können.

Wir sind auch Bühnenbildner, indem wir die Rahmenbedingungen unseres Lebens (mit-)gestalten. Es beginnt beim Entwurf der Hülle unseres «Hauses»; aber auch im Inneren muss geplant werden. Es soll architektonisch kreativ entwickelt werden, mit einfachen Mitteln umgebaut werden können und muss trotzdem statisch Bestand haben. Das heisst, es muss auch einem Sturm oder besser mehreren trotzen können. Es ist unser Seelenhaus, das für uns ebenfalls eine Bühne ist. Hier könnten wir mit Gedanken und Gefühlen, viel Kreativität und Fantasie an unser Lebenswerk gehen und können die Zustände in nahezu fast allen Bereichen immer wieder anpassen. Auch das wirkt sich unmittelbar auf die Beteiligten, also die Akteure aus.

Und natürlich arbeiten wir auch in der Maske und schneidern Kostüme. Die vielen Rollen zu gestalten, wie die Schminke auftragen, die Haare richten und die passgenauen Kleider aussuchen, sind für sich schon ein gigantisch kreativer Akt.

Äusserlich zurecht gemacht, schlüpfen wir in die Rolle des Kranken, des Lügners, des Schlauen, des Weisen, des Alten oder gar des Dummen. Und häufig machen wir dies so perfekt, weil wir dies in solchen Augenblicken tatsächlich auch sind. Wir verschmelzen mit der Rolle des Augenblicks. Auch staunen wir über uns selber, wie schnell wir in die Gegenrolle schlüpfen können, wenn es die Situation von uns erfordert. Demaskiert uns das, spielen wir ein falsches Spiel? Oder sind wir in diesem Moment einfach nur besonders kreativ?

Für viele Menschen ist es wichtig auch die Theaterleitung im Lebenstheater zu übernehmen. Wir können für uns werben, uns verkaufen. Eine gutes Theaterunternehmen wird immer auch ein gutes Marketing haben, das wir in eigener Sache, vor allem auch in seiner Wirksamkeit, selbst beeinflussen wollen. Wie und wo wir uns womit darstellen, ist die eigene Entscheidung. Machen wir es schlecht, blamieren wir uns. Machen wir es gut, werden wir die Erfolge abholen, die wir verdient haben. Die Bedingungen sind für alle gleich.

Die Bühne ist dort, wo wir sind. Vor allem dann, wenn wir authentisch unsere Kreativität in ihrer Vielfalt zum Ausdruck bringen.

Aber wie im echten Leben ergeht es uns auch in unserer Bühnenmetapher. Wir bekommen jede Menge Konkurrenz. Da treten manchmal Gegenspieler auf, die mit einem noch besseren Bühnenstück für sich werben und sich so gegen uns durchsetzen. Ihr Drehbuch ist möglicherweise abwechslungsreicher und der Inhalt so voller Spannung und Dramatik, dass das Publikum sich lieber deren, statt unser Bühnenstück anschaut.

Doch glücklicherweise gibt es - den Tüchtigen - täglich neue Chancen kreativ zu sein. Es liegt an uns selbst, unser Drehbuch immer wieder neu zu schreiben, die derzeitigen Verhältnisse zu verlassen und uns mit Mut und Risiko in andere Bühnenstücke einzuarbeiten. Wir können die äussere Kulisse, die wir gestaltet haben, auch wieder verändern. Dazu braucht es Flexibilität und die Bereitschaft, die Komfortzone zu verlassen und auf das Liebgewonnene und das Bequeme des jetzigen Zustandes zu verzichten.

Unser Menschenleben lang treten wir täglich auf und ab. Und abends, in den stillen Stunden der Reflexion, können wir uns das Erreichte vor Augen führen, können über uns und unser Wirken urteilen und können es verändern, wenn es uns nicht gut genug ist.

Doch all diese Veränderung braucht Mut zum Leben, das nicht nur immer Zuckerschlecken ist, sondern harte Arbeit an sich selbst erfordert. Es gibt keine Veränderungen ohne Nebenwirkungen, gerade jetzt in einer noch nie erlebten globalen Krise für uns alle.

Ich wünsche Ihnen viel Energie und Durchhaltewillen.

 


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