Blog » Ineffiziente Lieferketten: Jeder dritte Entscheider sieht Veränderungsbedarf

Ineffiziente Lieferketten: Jeder dritte Entscheider sieht Veränderungsbedarf

Arbeitswelt 4.0, Supply, Demand | 3 Minute(n) zum Lesen

COVID-19 gefährdet globale Lieferwege durch lokale Shutdowns und mögliche Exportbeschränkungen.

Zurzeit werden verschiedene Studien zum Thema «Supply Chain Management nach der Pandemie» durchgeführt und publiziert. Ich habe für Sie verschiedenen Dokumente studiert und Mitte April 2020 eine erste Zusammenfassung erstellt.

Jeder dritte Entscheider von Unternehmen der verarbeitenden Industrie sieht Nachholbedarf bei der Steuerung seiner Supply Chain. Die COVID-19-Pandemie verstärkt den Druck auf die Unternehmen zusätzlich Lieferketten zu überdenken und neu zu gestalten/organisieren. 80% der Unternehmen wollen veraltete Prozesse erneuern. Jedes zweite setzt künftig auf die Auswertung digitaler Daten. Ziel ist, mögliche Lieferantenausfälle schneller zu erkennen und gegenzusteuern.

In der verarbeitenden Industrie werden derzeit Exportbeschränkungen für bestimmte Rohstoffe oder Bauteile befürchtet. China hat eine veränderte Rohstoffpolitik im Visier. Bei mineralischen Ressourcen wie Magnesium, Seltenen Erden und Wolfram wächst der Eigenbedarf weiter. Viele Lieferanten könnten deshalb ihre Lieferversprechen nicht mehr einhalten. Es drohen grössere Verzögerungen und die Serviceverträge können nicht mehr eingehalten werden. Die knappen Sicherheitsbestände sind bald aufgebraucht und können nicht mehr aufgefüllt werden.

Verbesserungspotenzial bei Datenauswertungen
Früherkennung und Transparenz werden damit zu einem zentralen Element. Verarbeitende Industrieunternehmen müssen laufend wissen, wer ihre kritischen Lieferanten sind und auf welche Kanäle sie zur Not ausweichen können. Über 50 Prozent der befragten Entscheider sehen wesentliches Verbesserungspotenzial bei der Überwachung und Auswertung ihrer Supply – und Demand Chains mithilfe digitaler Daten. Christoph Kalt, CEO der CREAPROCESS und Experte in verschiedenen Logistik-Gremien und -Netzwerken, sagt: «Unternehmen sollten ihre Sicherheitsbestände immer unter Kontrolle behalten. Sie sind der Garant für die Lieferfähigkeit in ihre Demand Chains». Über Echtzeit-Prozessdaten lassen sich u.a. die Performance der Lieferanten überwachen und die Abhängigkeit zwischen den Sicherheitsbeständen und möglichen Lieferengpässen erkennen. Je schneller die verantwortlichen Stellen im Unternehmen die aktuelle Lage beurteilen und Massnahmen ergreifen können, desto besser können sie mit den vorhandenen Beständen wirtschaften und bleiben so länger lieferfähig.

Investitionen in neue Prozesse geplant
Die Industrie hatte zum Teil bereits vor dem Ausbruch der Pandemie mit Effizienzdefiziten zu kämpfen. Um sich zu verbessern, setzten fast 70 Prozent der Unternehmen bereits auf ein systematisches Prozessmanagement. 80 Prozent der befragten Industrieentscheider halten ihre internen Abläufe allerdings für zu wenig flexibel und wollen möglichst rasch mit einer Neugestaltung gegensteuern. Über 60 Prozent sehen, dass sie ihre Automatisierungsmöglichkeiten nicht ausschöpfen. Gerade bei der Logistik- und Supply Chain-Abwicklung, zum Beispiel bei Fracht- und Transportdokumenten oder bei der Nutzung digitaler Einkaufsplattformen, bei denen Bestellungen automatisch ausgelöst werden, sobald die Bestände an Fertigwaren und/oder Halbprodukten bestimmte Werte unterschreiten, sind wichtige Handlungsfelder.

Mittel- bis langfristig mehr Balance bei Produktionsstandorten
Durch die Corona-Pandemie stellen Industrieunternehmen zudem ihre aktuellen Lieferantenstrategien auf den Prüfstand. «Das sind keine kurzfristigen Massnahmen. Lieferanten und ganze Lieferketten lassen sich nicht innerhalb weniger Wochen umbauen. Produktion und Logistik sind heute so optimiert und die Unternehmen so verzahnt, dass ein Umbau viel Zeit und Kosten in Anspruch nehmen wird. Mittel- bis langfristig sehe ich aber einen klaren Trend zu mehr Balance zwischen den Lieferanten aus Europa und Asien. Dem Risikomanagement und dem Klimaschutz wird wieder die notwendige Management Attention zugestanden," meint Christoph Kalt dazu.

 


Kommentieren

Kommentare

Noch keine Kommentare auf dieser Seite.

RSS Feed für Kommentare auf dieser Seite | RSS Feed für alle Kommentare