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Erfolg durch Wandel - Gottlieb Duttweiler, Innovator und Pionier

Handel ist Wandel: Dieses Sprichwort galt schon vor bald 100 Jahren, als sich in der Schweiz der Pionier Gottlieb Duttweiler Überlegungen zu einer neuen Verkaufsorganisation machte. Und dieses Sprichwort gilt immer noch. Vielen Händlern treibt die ständige Veränderung Sorgenfalten auf die Stirn. Wie sich "Dutti" permanent den neuen Herausforderungen stellte, soll diese Zusammenfassung seiner überragenden Leistungen aufzeigen.

Gottlieb Duttweiler wurde 2019 wegen seiner Verdienste in die Swiss Supply Chain Hall of Fame aufgenommen. 

Er kam am 15.8.1888 in Zürich zur Welt. Nach einer kaufmännischen Lehre beim Kolonialwarenhändler Pfister und Sigg wurde er zehn Jahre später Partner derselben Firma, für die er häufig im Ausland unterwegs war. 1923 wurde die Firma Sigg und Duttweiler liquidiert, worauf Gottlieb Duttweiler mit seiner Frau Adele nach Brasilien auswanderte, um dort eine Kaffeeplantage zu führen. Das ungewohnte Klima setzte dem Vorhaben aber schon nach einem Jahr ein Ende. Zurück in der Schweiz verarbeitete Gottlieb Duttweiler seine in all den Jahren im Handelsgeschäft und als Kaffeepflanzer gesammelten Erfahrungen.
Ihm schwebte eine Verkaufsorganisation ohne Zwischenhandel vor: eine direkte "Brücke vom Produzenten zum Konsumenten". Am 15.8.1925 gründete er zu diesem Zwecke die Migros AG. Die «Brücke» wurde dabei zum Symbol und Markenzeichen der Migros. Mit einem Startkapital von 100'000 Franken kaufte Gottlieb Duttweiler fünf Ford-T-Lastwagen und bestückte diese mit sechs Basisartikeln, die er zum Teil bis zu 40 % günstiger als die Konkurrenz anbot. Damals ahnte noch niemand, dass mit diesen rollenden Verkaufswagen eine Fahrt von zeitgeschichtlicher Bedeutung für die Schweiz begann. Heute ist die Migros der grösste Detailhändler der Schweiz und zählt zu den 500 grössten Firmen der Welt.

Rückblende ins Jahr 1925: Noch wirkt der Kriegsschock nach, dabei geht es der Schweiz wirtschaftlich besser als dem übrigen Westeuropa. Die schwankende Konjunktur macht den Leuten Angst um Arbeit und Lohn. Die Schweiz scheint in Ungewissheit und Mutlosigkeit zu versinken. Das schlägt auch auf die Laune der Konsumenten. Sie drehen jeden Rappen dreimal um, bevor sie ihn ausgeben. Nein, das ist nicht die Zeit für grosse neue Ideen. Oder doch? Da ist dieser Gottlieb Duttweiler, 37 Jahre alt, soeben zurück aus Brasilien und stellenlos. Noch fünf, sechs Jahre zuvor war er Millionär gewesen: ein Kriegsgewinnler und Abzocker. Dann fiel sein Grosshandel Pfister & Duttweiler in Liquidation. Duttweiler verlor fast alles; mit dem kleinen Rest erwarb er sich eine Kaffeeplantage in Brasilien und scheiterte erneut. Und gerade war vom Konsumverein Basel die Absage gekommen. Sie nahmen einen anderen als Einkäufer, einer, der schneller stenografieren und mit der Maschine schreiben konnte.

Am 25. August 1925, zehn Tage nach der Gründung der MIGROS AG,  um 6 Uhr früh, starteten fünf Verkaufswagen in der Stadt Zürich. Es gab Reis, Zucker, Teigwaren, Kokosfett, Kaffee und Seife. Alles zu geraden Preisen und ungeraden Gewichten; so ging es schneller an der Kasse. Die Ware war durchschnittlich 30 Prozent billiger als im Quartier- oder Dorfladen — eben «mi-gros». «Dutti» handelte nach dem Eierfraueli-Prinzip: Die Menge muss es bringen! Sein Risiko war: Würde die teure Reklame schnell genug funktionieren?

Im Gründungsjahr der Migros (1925) zeigten im Schweizer Detailhandel die Konsumgenossenschaften COOP den höchsten Marktanteil (Umsatz 126,3 Millionen), gefolgt von der Vereinigung der landwirtschaftlichen Genossenschaften VOLG (70,94 Millionen) und USEGO (53,34 Millionen), die viele 100 selbständige Kleinläden im Land belieferte. Zehn Jahre später lag die Migros (57,7 Millionen) schon beinahe auf dem gleichen Niveau wie USEGO (73,36 Millionen) und Volg (73,36 Millionen). Beide stagnierten in der Wirtschaftskrise, während Coop ansehnlich gewachsen war (177,1 Millionen).

"Dutti" hatte Probleme: Die Anfeindungen kamen von den leistungsschwachen, aber politisch gut vernetzten Konkurrenten. Gemeinden sperrten Standplätze für die Migros-Wagen. Konzerne schritten zum Lieferboykott. Und politisch formierte sich eine grosse Koalition aus Konservativen, Bauernvertretern, Gewerblern und der Konsumgüterindustrie, die bei der FDP angesiedelt und in beinharte Kartelle eingebunden war. Auch die politisch bei den Sozialdemokraten beheimateten Konsumgenossenschaften schauten tatenlos zu, als die eidgenössischen Räte 1933 ein klar verfassungswidriges Filialeröffnungsverbot durchsetzten — angeblich zum Schutz der kleingewerblichen Handelsexistenzen. Gottlieb Duttweiler musste kämpfen, vor allem um die Versorgung seiner schnell wachsenden Handelskette, die bald auch stationäre Läden führte. Der Boykott der Markenartikelindustrie zwang ihn, erste Industriebetriebe zu übernehmen — zum Beispiel die Bischofszeller Konserven oder die Getränkefabrik Meilen.Das Erfolgsgeheimnis war, dass er Güter des täglichen Bedarfs durch Ausschaltung des Zwischenhandels direkt zu den Verbrauchern brachte. Da viele Produzenten das Unternehmen boykottierten, wurde ein Teil der Waren selbst hergestellt.

Wann immer er Zeit hatte, mischte er sich in Thalwil oder in Zug unter seine Migros-Kunden und beobachtete deren Verhalten. Nicht zuletzt dank dieser Bodenhaftung hat Duttweiler auch später keinen wichtigen Trend im Detailhandel verpasst. Ab 1948 führte der Migros-Gründer als Erster die Selbstbedienung ein. Schon in den frühen 70er-Jahren war die Migros als Hauptmieter und Publikumsmagnet bei den Einkaufscentern dabei, die entlang dem wachsenden Nationalstrassennetz entstanden. Zugleich wurden die MMM-Märkte in den Innenstädten zu Leuchttürmen der erschwinglichen Lebensqualität. Nach den grauen Jahren der kriegsbedingten Mangelwirtschaft haben Dutti und die Migros den normal verdienenden Schweizerinnen und Schweizern das Tor zu mehr Lebensfreude und Lebensgenuss aufgestossen. Und Hotelplan, Ex Libris, Klubschulen und das Kulturprozent waren seine praktischen Antworten auf das oft gebrauchte Bibelzitat: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!»

1933 scheiterte der Berliner Ableger, Migros-Verteilungs-GmbH, wegen politischer Bedrängnis durch die Nationalsozialisten. Im Laufe der Jahre entstanden immer mehr Filialen, und seiner sozialen Einstellung entsprechend, vermachten er und seine Frau Adele bereits 1941 die Migros ihrer Kundschaft, indem das Unternehmen zur Genossenschaft wurde. Aufgrund seines sozialen Engagements gibt es z. B. das Kulturprozent. Duttweiler verfügte, dass die Migros einen festen Teil ihres Umsatzes in kulturelle, sportliche und Freizeitaktivitäten investieren muss. So entstanden die Klubschule Migros im Bildungsbereich und unterschiedliche Freizeit-Einrichtungen.

Duttweiler prägte die Migros mit starken Prinzipien. So hat er zeitlebens und für die Zukunft verhindert, dass Alkohol und Tabakwaren von der Migros vertrieben und verkauft werden, obwohl er selber Zigarrenraucher war. Er war Begründer der politischen Partei Landesring der Unabhängigen (LdU).

1935 wurde er erstmals im Kanton Bern in den Nationalrat gewählt. Berner Nationalrat war er dann bis zu seinem Rücktritt 1940 und später von 1951 bis zu seinem Tod im Jahre 1962. In der Zeit dazwischen war er als Vertreter des Kantons Zürich Mitglied des Nationalrats (1943–1949) beziehungsweise des Ständerats (1949–1951). Die Wahl in die kleine Kammer gewann er in einer Ersatzwahl für den zurückgetretenen Friedrich Traugott Wahlen.

1935 gründete er die wöchentlich erscheinende Zeitung "Die Tat", die 1939 in eine Tageszeitung umgewandelt wurde. Die Tat war das Sprachrohr des Landesrings der Unabhängigen. 1942 gründete er die Wochenzeitung Brückenbauer, das heutige Migros-Magazin. Und bereits 1937 hatte er die Idee eines Labels, mit dem Waren ausgezeichnet werden sollten, die unter anständigen Arbeitsbedingungen produziert wurden.

1948 warf Duttweiler mit zwei Steinen eine Fensterscheibe von innen im Bundeshaus ein. Der Nationalrat hatte seinen Vorstoss zum Thema wirtschaftliche Landesversorgung um mehr als vier Jahre verschleppt. Duttweiler fürchtete neue kriegerische Auseinandersetzungen und wollte die Bevölkerung dazu anhalten, Lebensmittelvorräte anzulegen. Der Steinwurf sorgte im In- und Ausland für grosses Aufsehen. 1952 initiierte Gottlieb Duttweiler, Gründer und Präsident der Reederei Zürich AG, den Bau des Frachtschiffs Adele und ihres Schwesterschiffs Amelia. Für eine staatliche Abfindung kriegsgeschädigter Auslandschweizer wollte er sich 1955 im Eingangsbereich des Internationalen Roten Kreuzes in Genf öffentlich zu Tode hungern, nach drei Tagen brach er den Hungerstreik ab.

Duttweiler lebte mit seiner Frau Adele, die er 1913 geheiratet hat, in Rüschlikon. Kurz vor seinem Tod legte er in Rüschlikon den Grundstein zum Gottlieb Duttweiler Institut (GDI), einem Zentrum für wirtschafts- und sozialpolitische Fragen. Die Eröffnung des Institutes 1963 konnte er nicht mehr miterleben, er liegt auf dem Friedhof neben dem Institut begraben. In unregelmässigen Abständen wird seit 1970 vom Institut der nach ihm benannte Gottlieb-Duttweiler-Preis verliehen.

Der Geist „Duttis“ wirkt gerade auch in der Logistik bis heute: Die Migros hat als Gesamtunternehmen ein ehrgeiziges Ziel. Im Rahmen der Klima- und Energiestrategie 2020 will sie ihren CO2-Ausstoss um 20 Prozent und damit doppelt so stark verringern, wie es der Bundesrat verlangt, sei dies bei den Gebäuden, der Produktion und bei ökologischen Verpackungen. Die Migros-Transportlogistik trägt einen wesentlichen Teil dazu bei. Tag für Tag beweist die Migros-Logistik, dass sich Nachhaltigkeit und Transporteffizienz nicht ausschliessen. Im Gegenteil: Gerade in der Transportlogistik lässt sich Nachhaltigkeit mit kluger Planung und ständiger Optimierung in bares Geld ummünzen.

 


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